18.45 Uhr Konzerteinführung im Saal Bodensee
19.30 Uhr Großer Saal
Das gesamte Jahresprogramm 2026/2027 können Sie hier digital ansehen.
Ryuichi Sakamoto (1952 – 2023)
Firecracker (Yellow Magic Orchestra)
Arrangement: Nigel Kennedy
Nigel Kennedy (*1965)
Fallen Forest / Solitude
Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
Präludium und Fuge C-Dur, BWV 846
Nigel Kennedy (*1965)
Yasha & Zeftel (aus „Der Magier von Lublin“)
Spirit, Destiny & Transformation
The Cell
George Gershwin (1898 – 1937)
The Man I Love
Arrangement: Nigel Kennedy
Georg Friedrich Händel (1685 – 1759) / Johan Halvorsen (1864 – 1935)
Passacaglia über ein Thema von Händel
Krzysztof Komeda (1931 – 1969)
Das Messer im Wasser
Bevor der Tag anbricht
Nigel Kennedy (*1965)
When & Why
Ryuichi Sakamoto (1952 – 2023)
Merry Christmas Mr. Lawrence
Arrangement: Nigel Kennedy
Antonio Vivaldi (1678 – 1741)
Die vier Jahreszeiten
„Der Sommer“, op. 8 Nr. 2, RV 315
Nigel Kennedy als Popstar der Klassik
Es ist nicht üblich, eine Programmeinführung mit einem Portrait des Interpreten zu beginnen. Doch Nigel Kennedy steht in solch hohem Maße im Zentrum dieses Konzerts, dass man an ihm nicht vorbeikommt, zumal er eigene Kompositionen und Arrangements präsentiert. Nigel Kennedy landete 1989 mit der Einspielung von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ einen Welterfolg, sie hielt sich zwei Jahre in den britischen Charts und wurde zur meistverkauften Klassik-CD der Geschichte. Klassisch, unter anderem bei Yehudi Menuhin ausgebildet, wandte sich Nigel Kennedy auch dem Jazz und Pop zu. Er provozierte das gesetzte Publikum mit Auftritten im Leiberl seines geliebten Fußballklubs „Aston Villa“, eroberte sich jedoch damit ein breites Publikum weit über die Klassikgrenzen hinaus. Das funktioniert nach vierzig Jahren seiner Karriere immer noch, begleitet von seiner unverwechselbaren Erscheinung, zu der bis heute auch seine charakteristische Irokesenfrisur gehört. Und noch immer darf man sich bei seinen Moderationen auf spontane Gedanken, Humor und überraschende Perspektiven freuen. Nigel Kennedy sucht dabei stets den direkten Austausch mit dem Publikum, nimmt die Menschen mit durch den Abend und schafft eine besondere Nähe, die weit über das reine Konzert hinausgeht. Trotz seiner großen internationalen Karriere hat er sich diese Unmittelbarkeit und Freiheit bewahrt, die sich auch im aktuellen Konzertprogramm „Spiritual Connection“ widerspiegelt. Nigel Kennedy bleibt damit ein Künstler, der musikalische Virtuosität mit Persönlichkeit, Offenheit und echter Bühnenpräsenz verbindet. Jedoch erstaunt es nicht, dass Nigel Kennedy — oft als „Popstar der Klassik“ bezeichnet — Johann Sebastian Bach bewundert. Dies zeigte sich unter anderem in seinem viel beachteten Album zum Bachjahr 2000 anlässlich des 250. Todestages des Komponisten. Auch bei unserem Konzert widmet er sich Bach mit dem Präludium und der Fuge in C-Dur, dem Auftakt des ersten Buches des „Wohltemperierten Klaviers“.
Zu Anfang und gegen Ende des Programms steht ein Komponist, der in Asien und der angelsächsischen Welt Kultstatus besitzt. Es ist der Japaner Ryuichi Sakamoto. Er hat sich gleichermaßen mit Neuer Klassik, Jazz, Avantgarde und Pop befasst. Bekannt geworden ist er mit Kompositionen für den Film. Zusammen mit David Byrne hat er für die Musik zum Streifen „Der letzte Kaiser“ einen Oscar erhalten. Im Film „Merry Christmas, Mr. Lawrence“ von 1983 agierte Sakamoto selbst, an der Seite von David Bowie. Filmischen Bezug hat auch George Gershwins „The Man I Love“, nach dem Text seines Bruders Ira Gershwin, denn schließlich lieferte dieser Lieblingssong von George Gershwin einen Filmtitel. Der Song wurde vielfach gecovert, unter anderen von Ella Fitzgerald oder Erroll Garner.
Eine Zeitreise für sich ist die „Passacaglia“ von Georg Friedrich Händel, bearbeitet vom Norweger Johan Halvorsen. Der Name Passacaglia leitet sich ab vom Spanischen „pasar una calle“ – „eine Straße entlanggehen“. Aus diesem emotional neutralen Begriff hat sich eine vor allem im Barock wichtige Form gebildet, die melancholischen Charakter trägt und als Vorläufer der Form der Variation gilt. Halvorsens Bearbeitung von 1893 hat diese „Passacaglia“ von Händel mit seiner Version für Violine und Viola prominent gemacht. Dass der Pole Krzysztof Komeda in diesem Programm erscheint, hat für Nigel Kennedy einen persönlichen Bezug, ist er doch mit der Polin Agnieszka Kennedy verheiratet. Komeda, dem aufgrund einer durch einen Unfall verursachten Gehirnblutung nur ein kurzes Leben gegönnt war, gilt für den polnischen Jazz ähnlich viel wie Chopin für die polnische Klassik. In der kommunistischen Ära stand der Jazz für eine vorsichtige Öffnung Richtung Freiheit und hatte somit eine starke politische Dimension. Komeda konnte sich schließlich in Hollywood etablieren und schrieb unter anderem Filmmusik für Roman Polanski. Schließlich hält Nigel Kennedy den Zuhörer:innen nicht seinen „Greatest Hit“ vor und spielt den „Sommer“ aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“.
So trägt dieses Programm starke persönliche Beziehungen zu Nigel Kennedy selbst, vor allem auch durch die Kompositionen aus seiner eigenen Feder. „Spiritual Connection“ ist also Ausdruck eines geistigen Netzwerkes, das im Laufe dieses so besonderen Künstlerlebens entstand. Wir sind eingeladen, Teil eines einzigartigen musikalischen Erlebnisses zu werden, das weit über den Konzertmoment hinaus nachklingt.



