Programm

Herzlich Willkommen!

Großartige Komponisten, charismatische Dirigenten, einzigartige Solist:innen, sie alle sprechen die eine Sprache, die Sprache der Leidenschaft und Reflexion, eine Sprache, die uns den Blick für das Wesentliche öffnet,das große Ganze erkennen lässt und Leichtigkeit spürbar macht. Was für ein Geschenk!

Den Auftakt bildet das Aurora Orchester unter der temperamentvollen Leitung von Nicholas Collon, Gründer des namhaften Orchesters. Das Programm bietet eine Zusammenführung der Komponisten Thomas Adès und Hector Berlioz mit ihren Werken „Drei Couperin-Studien“ und „Symphonie fantastique“.

Mit seinem „Orchestre des Champs Élysées“ dirigiert Philippe Herreweghe die „Tragische Ouvertüre“ in d-Moll von Johannes Brahms. Antonín Dvoráks Konzert für Violine und Orchester in a-Moll lassen uns tschechische Volksweisen erleben. Die vielbeachtete Violinistin Isabelle Faust begeistert durch Zartheit, Klarheit und eine souveräne Interpretationspraxis.

Für ihr traditionelles Gastspiel Mitte Jänner werden die Wiener Symphoniker unter neuer Leitung die „Erste Symphonie“ in c-Moll und die „Zweite Symphonie“ in D-Dur von Johannes Brahms präsentieren, einer seiner größten Erfolge.

Die vier Elemente Luft, Wasser, Feuer und Erde, dazu wilde Furien, sind das Thema des Konzertes „Le Concert des Nations“ unter der Leitung des Altmeisters der Barockmusik Jordi Savall. Auf historischen Instrumenten gespielt, erleben wir farbenreiche Darbietungen von internationalen Komponisten: Georg Friedrich Händels „Wassermusik“, Christoph Willibald Glucks „Don Juan“, Marin Marais „Alcione, Airs pour les Matelots et les Tritons“ und Jean-Philippe Rameaus „Les Borèades“.

Im April begrüßen wir das Chamber Orchestra of Europe unter der Leitung des jungen, kreativen Dirigenten Robin Ticciati. Das gewählte Repertoire kann als Plädoyer für Leidenschaft und Liebe interpretiert werden: Beethovens „Konzert für Violine und Orchester“, Widmanns „Liebeslied für 8 Instrumente“, Berlioz’s Liebesszene aus „Romeo und Julia,“ Auszüge aus Beethovens Schauspielmusik zu „Goethes Egmont“. Lisa Batiashvili, eine Violin-Virtuosin, ist die prominente Solistin des Abends.

Hélène Grimaud – ein Gesamtkunstwerk mit ausdrucksstarker Persönlichkeit. Die Künstlerin bringt uns Werke von Brahms, Schumann und Beethoven mit. Ein Klavierrecital der Superlative und damit ein wunderschöner Ausklang dieser Konzertsaison.

Wir versprechen Ihnen sechs sensibel aufeinander abgestimmte Konzerterlebnisse auf höchstem Niveau und freuen uns auf unvergessliche Momente bei den Bregenzer Meisterkonzerten.

Michael Ritsch, MBA
Bürgermeister

Mag. Michael Rauth
Stadtrat für Kultur

20. Januar 2023

Wiener Symphoniker
Pablo Heras Casado, Leitung

18.45 Uhr Konzerteinführung im Saal Bodensee
Konzertbeginn: 19.30 Uhr
Festspiel- und Kongresshaus Bregenz, Großer Saal

Johannes Brahms (1833 – 1897)

Erste Symphonie in c-Moll op. 68
Un poco sostento – Allegro
Andante sostenuto
Un poco allegretto e grazioso
Adagio – Piu Andante – Allegro non troppo, ma con brio

Zweite Symphonie in D-Dur op. 73
Allegro non troppo
Adagio non troppo
Allegretto grazioso
Allegro con spirito

Johannes Brahms wuchs in einfachsten Verhältnissen auf. Sein Vater Johann Jakob Brahms spielte Flügelhorn und Kontrabass im Vergnügungsviertel Sankt Pauli von Hamburg, und Johannes trug schon als Knabe als Pianist in denselben Etablissements zum Familieneinkommen bei. Dann aber nahm in der Musikpädagoge Eduard Marxsen unter seine Fittiche, und als Klavierbegleiter des Violinvirtuosen Eduard Remèny kam Johannes Brahms rasch in die ersten Kreise der damaligen Musikwelt. Prägend wurde dabei eine Begegnung mit dem hochberühmten Musikerehepaar Robert und Clara Schumann. Robert schrieb in der von ihm gegründeten „Neuen Zeitschrift für Musik“ einen hymnischen Artikel über den damals zwanzigjährigen Pianisten und Komponisten Brahms, der diesem zwar zu rascher Bekanntheit verhalf, ihn, den Selbstkritischen, aber auch unter gehörigen Erfolgsdruck setzte. Zwischen Clara Schumann und Brahms entwickelte sich eine tiefe Freundschaft, die zu Zeiten auch leidenschaftliche Züge hatte. Johannes Brahms hoffte, in seiner Heimatstadt Hamburg mit einem führenden Posten im Konzertbetrieb betraut zu werden, wurde aber mehrmals übergangen. Enttäuscht wandte er sich nach Wien, wo er kurzzeitig den Wiener Singverein leitete und in der Gesellschaft der Musikfreunde tätig war. Diese Ämter legte er aber bald wieder zurück, denn der damit verbundene Verwaltungsaufwand behagte ihm nicht, und außerdem konnte er inzwischen gut von den Einkünften aus seinen Kompositionen leben. Mehr noch, er unterstützte bedürftige Menschen seiner Umgebung großzügig, etwa die verwitwete Clara Schumann und ihre acht Kinder, weiters seine Stiefmutter, denn der Vater hatte nach dem Tod von Brahms‘ Mutter erneut geheiratet. Die komfortable finanzielle Situation ermöglichte Brahms auch Sommeraufenthalte in der Schweiz, in Bayern, in Kärnten, wo er seine Zweite Symphonie schrieb, in Mürzzuschlag, wo die Vierte Symphonie entstand, oder in Bad Ischl, wo er Kontakt mit dem von ihm geschätzten Johann Strauß Sohn pflegte. Auch zwei Italieneisen sind bezeugt.

Johannes Brahms hat ein umfangreiches Werk hinterlassen: Vier Symphonien, Konzerte, Kammermusik verschiedener Art, Lieder, das wunderbare und viel aufgeführte Oratorium Ein deutsches Requiem oder Klaviermusik. Jedoch hat er nie eine Oper geschrieben.

Der selbstkritische Brahms brauchte lange, um sich mit einer Symphonie an die Öffentlichkeit zu wagen. Nach eigenen Worten fühlte immer „einen Riesen-Beethoven hinter sich her marschieren“. Endlich, mit 43 Jahren und schon etabliert als Komponist, wagte er es, mit der Ersten an die Öffentlichkeit zu gehen. Mit ihr verlässt er nicht das klassische Formschema, bricht es aber von innen her auf. So sind die beiden Mittelsätze nicht wie bisher gegensätzlich, sondern einander sehr ähnlich, und der Schwerpunkt liegt auf dem Finalsatz, dessen Hornthema berühmt geworden ist. Bemerkenswert ist auch die von Arnold Schönberg in seinem Aufsatz Brahms the progressive beschriebene „entwickelte Variation“. Diese bedeutet, dass musikalische Prozesse aus einer oft kleinen Motivzelle fort und fort entwickelt werden. Gleich nach der Drucklegung der Ersten schrieb Brahms seine Zweite Symphonie, er war sich nun sicher geworden. Man hört ihr den Ort der Entstehung an: sie lässt uns die Farben und das Licht des Wörthersees förmlich sehen. Wenngleich sie lieblicher ist als die Erste und in den Mittelsätzen zum klassischen Schema zurückkehrt, so ist doch in ihrer Feinstruktur das Prinzip der „entwickelten Variation“ noch optimiert. Die Uraufführung der Zweiten im Musikvereinssaal in Wien zur Jahreswende 1877/78 war einer der größten Triumphe, die Brahms erlebt hat.

12. April 2023

Le Concert des Nations
Jordi Savall, Leitung

18.45 Uhr Konzerteinführung im Saal Bodensee
Konzertbeginn: 19.30 Uhr
Festspiel- und Kongresshaus Bregenz, Großer Saal

Jordi Savall, Die Elemente und die Furien

Die vier Elemente Luft und Wasser, Feuer und Erde und dazu das wilde Treiben der rachsüchtigen Furien stellt Jordi Savall, der Altmeister der Barockmusik, in den Mittelpunkt seines Programms. Le Concert des Nations ist auf historischen Instrumenten überall zuhause und führt uns von der Themse über eine Station in Wien an den französischen Königshof: Der Phantasie des Hörers und der Hörerin sind in der wunderbar feinsinnigen und farbenreichen Musik des 18. Jahrhunderts keine Grenzen gesetzt, wenn Matrosen und Wassergötter, Winde und ein steinerner Gast sich ein Stelldichein auf der Bühne des Festspielhauses geben. Das Element Erde lässt sich in Tönen wohl am schwierigsten darstellen, doch indem sich das Programm aus einer Vielzahl an Tänzen zusammensetzt, bilden Tanz- und Bühnenboden buchstäblich die erdende Basis.

Mit Georg Friedrich Händel begeben wir uns aufs Wasser, genauer auf die Themse, flussaufwärts vom Palast in Whitehall bis Chelsea: Drei Stunden soll die Fahrt gedauert haben, genug Zeit, um den aus Deutschland kommenden König Georg I. und seine Begleitung mit allerlei festlicher Orchestermusik, einem schönen Oboensolo und Tänzen aus Frankreich und England zu unterhalten. Der König war so angetan von dieser „Wassermusik“, dass er sie gleich nochmals und auch auf der Rückfahrt hören wollte. Händel stellte drei Suiten zusammen, die erste mit Hörnern, Oboen und Streichern leitet diesen Konzertabend ein.

Das Element Feuer stellen Jordi Savall und sein Orchester mit der Ballettpantomime „Don Juan. Convitato di pietra“ aus dem Jahr 1761 in den Mittelpunkt: Es ist das Feuer, das im Herzen des stets nach neuen Eroberungen und Liebesabenteuern suchenden Don Juan brennt, und das Feuer, das die Furien am Ende mit ihren Fackeln entzünden, um den gewissenlosen Verführer in die Hölle zu stoßen. Christoph Willibald Gluck bringt uns diesen spanischen Helden und seinen „steinernen Gast“ nahe, ein Jahr später ließ er die Furien in seiner berühmten Oper „Orfeo ed Euridice“ wirbeln.

In die Welt der großen französischen Barockoper führt Jordi Savall schließlich mit zwei Suiten von Marin Marais (aus „Alcione“) und Jean-Philippe Rameau (aus „Les Boréades“). Am französischen Königshof wurde ein „Gesamtkunstwerk“ für Orchester, Chor, Solisten und Ensembles geschaffen, reich an Bühneneffekten, großartiger Ausstattung und Tanzdivertissements. Die komplizierten Operntexte bedienten sich aus Stoffen der Mythologie mit ihrer Vielzahl von amourösen Verstrickungen bei Göttern und Menschen. In der Abfolge von Arien, Rezitativen, Chören oder Zwischenspielen entstand ein besonderer französischer Opernstil, auch der Gesangsstil ist mit seinen typischen Verzierungen individuell. Wichtig für die von Jordi Savall getroffene Auswahl sind die so packenden Darstellungen der Winde und Stürme (in der Natur ebenso wie in der Seele) und die Tänze von Matrosen, Meeresgottheiten oder Windgöttern. Marin Marais wurde als Gambenvirtuose unsterblich (und in dem schönen Film „Tous les matins du monde“ – „Die siebente Saite“ auch einem anderen Publikum bekannt gemacht). Jean-Philippe Rameau wirkte als Cembalist, Organist, Komponist und Musiktheoretiker und sein facettenreiches Gesamtwerk wird heute nicht nur durch Jordi Savall, sondern auch durch viele Musizierende wiederbelebt, die sich von Rameaus Farbenreichtum begeistern lassen.

Katharina von Glasenapp

24. April 2023

Chamber Orchestra of Europe
Robin Ticciati, Leitung
Lisa Batiashvili, Violine

18.45 Uhr Konzerteinführung im Saal Bodensee
Konzertbeginn: 19.30 Uhr
Festspiel- und Kongresshaus Bregenz, Großer Saal

Obwohl das Violinkonzert von Ludwig van Beethoven und Heutigen als eines der Großartigsten seiner Gattung gilt, hatte es bei seiner Uraufführung im Dezember 1806 im Theater an der Wien nur mäßigen Erfolg.  „Ermüdend“ oder „überladen“ waren die Urteile der Rezensenten damals – offenbar hätte man lieber ein Konzert gehört, das die Virtuosität des Solisten hervorhob. In diesem seinem einzigen Violinkonzert verwebt Beethoven jedoch die Solostimme eng mit dem Orchesterpart, und die ersten beiden Sätze haben einen eher ruhigen Charakter. Beethoven hat das Konzert auf Bitten des jungen Geigers Franz Clement geschrieben, der er sehr schätzte. „Concerto par Clemenza pour Clement“ – „Konzert aus Mildtätigkeit für Clement“ schrieb denn auch Beethoven in seinem sarkastischen Humor auf den Titel des Manuskripts.

Es blieb den damals erst dreizehnjährigen Geiger Joseph Joachim vorbehalten, im Jahr 1844 Beethovens Violinkonzert unter dem Dirigat von Felix Mendelssohn-Bartholdy zum Erfolg zu führen. Joseph Joachim, übrigens ein lebenslanger Freund von Johannes Brahms, spielte das Werk in der Folge in mehreren europäischen Musikzentren.

Beethoven soll ja stets an einer literarischen Vorlage entlangkomponiert haben. Es ist nicht bekannt, welche dies beim Violinkonzert war. Vielleicht wissen die Künstler*innen des heutigen Abends es, oder sie spüren es, dass es etwas mit der Liebe zu tun hat. Jedenfalls stehen alle weiteren Werke des Programmes unter dem Zeichen der schönsten und kompliziertes Sache der Welt, die die Liebe ja ist.

Goethes Trauerspiel „Egmont“ erzählt von einer sehr tragischen Liebe. Der Titelheld kämpft für die Freiheit der Niederlande von der spanischen Herrschaft im 16. Jahrhundert und wird gefangengenommen. Seine Geliebte Klärchen versucht vergeblich, das Volk zu seiner Rettung aufzustacheln. Als sie erkennt, dass ihre Mühen umsonst sind, nimmt sie sich das Leben. Egmont erlebt im Gefängnis eine Vision, wird aber hingerichtet. Im Auftrag des Burgtheaters hat Beethoven die umfangreiche Schauspielmusik zu „Egmont“ geschrieben, die insgesamt zehn Nummern umfasst.

Man könnte „Egmont“ als Schwesterwerk zu Beethovens „Fidelio“ sehen, aufgrund der Entstehungszeit der Komposition wie auch der Thematik. Auch der Münchner Jörg Widmann erschafft seine Werke gerne paarweise. Er sagt über sein „Liebeslied“: „Nun…. arbeitete ich in ähnlicher Weise an einem neuen Stückpaar: über die Liebe. Ein Dichterwort, hier ein Gedichtfragment Schillers, liegt diesmal dem Orchesterstück zugrunde: Teufel Amor. Das kammermusikalische Pendant dazu ist nun dieses Liebeslied. Es ist rein instrumental und ohne verbalen Bezug. In gedrängter Form behandelt es den schon in Teufel Amor thematisierten janusköpfigen Charakter der Liebe als Paradies und Schlangengrube.“ Jörg Widmanns Musik wird international vielfach aufgeführt. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden ist seine Oper „Babylon“, zu der Peter Sloterdijk das Libretto verfasst hat. Als Klarinettist und Dirigent konnte sich Jörg Widmann zudem einen Namen machen.

Auch beim dritten Komponisten dieses Abends, Hector Berlioz, finden wir ein großes Interesse an der Literatur vor. Den jungen Komponisten traf ein Gastspiel einer englischen Theatertruppe, die Stücke von Shakespeare zeigte, „wie ein gewaltiger Blitzschlag“. Ins besondere die Schauspielerin Harriet Smithson beeindruckte ihn. Ihre Darstellung der Ophelia in „Hamlet“ inspirierte ihn zu seiner „Symphonie fantastique“, ihre Julia gab den Impuls zu einem der bedeutendsten Werke des Franzosen, der Chorsymphonie „Romeo et Juliette“. Wir hören daraus die zentrale „Scène d’amour“, die Liebesszene. Bei der Uraufführung 1839 war Richard Wagner zugegen, der bekannte, durch Berlioz‘ Musik entscheidende Impulse für sein Musikdrama „Tristan und Isolde“ erhalten zu haben. Später wurden Harriet Smithson und Berlioz sogar ein Ehepaar.

27. Mai 2023

Hélène Grimaud

18.45 Uhr Konzerteinführung im Saal Bodensee
Konzertbeginn: 19.30 Uhr
Festspiel- und Kongresshaus Bregenz, Großer Saal

Werke von:

Johannes Brahms
Robert Schumann und
Ludwig van Beethoven

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