18.45 Uhr Konzerteinführung im Saal Bodensee
19.30 Uhr Großer Saal
Das gesamte Jahresprogramm 2026/2027 können Sie hier digital ansehen.
Giuseppe Verdi (1813 – 1901)
Ouvertüre zur Oper „La forza del destino“ –
„Die Macht des Schicksals“
Richard Dünser (*1959)
Konzert für Viola und Orchester
Uraufführung
Antonín Dvořák (1841 – 1904)
Neunte Sinfonie in e-Moll op. 95
„Aus der Neuen Welt“
Adagio – Allegro molto
Largo
Scherzo (molto vivace)
Allegro con fuoco
Schicksal und Aufbruch
Mit der Vergabe des Kompositionsauftrags für das „Konzert für Viola und Orchester“ an den Vorarlberger Komponisten Richard Dünser setzen die Bregenzer Meisterkonzerte im Jubiläumsjahr bewusst ein Zeichen für die Förderung Vorarlberger Musikschaffender und die lebendige Weiterentwicklung des Konzertrepertoires.
Ein festlicher Konzertabend, der drei Werke aus unterschiedlichen Zeiten zusammenführt, eröffnet einen weiten musikalischen Raum. Die Ouvertüre zur Oper „La forza del destino“ von Giuseppe Verdi, die Uraufführung des Bratschenkonzerts von Richard Dünser sowie Antonín Dvořáks Symphonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt“ stehen für unterschiedliche Möglichkeiten musikalischer Gestaltung: als dramatische Setzung, als Reflexion gegenwärtiger Erfahrung und als groß angelegter symphonischer Zusammenhang.
Trotz ihrer Verschiedenheit verbindet diese Werke ein gemeinsamer Gedanke: Musik entsteht hier aus Bewegung – aus Spannung, Entwicklung und Veränderung. Verdi verdichtet musikalische Handlung zu unmittelbarer Dramatik, Dünser reagiert mit den Mitteln der Gegenwart auf Krieg und Gewalt, und Dvořák verbindet persönliche Erfahrung mit einem weiten symphonischen Denken, das unterschiedliche kulturelle Einflüsse in sich aufnimmt.
So entsteht ein Programm, das historische Distanz nicht betont, sondern Verbindung hörbar macht – zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen individueller Erfahrung und musikalischer Form.
Giuseppe Verdi
Ouvertüre zur Oper „La forza del destino“ –
„Die Macht des Schicksals“
Wenngleich es immer wieder Aufführungen von Giuseppe Verdis Oper La forza del destino, zu Deutsch „Die Macht des Schicksals“, gibt – etwa derzeit am Opernhaus Zürich –, hat sie nie den Bekanntheitsgrad anderer Werke des großen Italieners erreicht. Die Ouvertüre jedoch ist sehr populär geworden, besonders das markante „Schicksalsmotiv“, das sie dominiert und in der Oper mehrfach wiederkehrt – als sogenanntes Erinnerungsmotiv.
Die Uraufführung im Jahr 1862 in Sankt Petersburg wurde vom dortigen Publikum überschäumend gefeiert, jedoch waren weder Verdi noch der Textdichter Francesco Maria Piave mit dem Werk glücklich. Da Piave inzwischen schwer krank war, gestaltete Antonio Ghislanzoni, der später auch das Libretto zu Aida schrieb, den Text neu, und Verdi überarbeitete die Partitur. Vor allem komponierte er anstelle eines knappen Orchestervorspiels die groß angelegte Ouvertüre, welche die wesentlichen Elemente der Opernhandlung musikalisch darstellt und das berühmte Schicksalsmotiv, das wohl jeder musikaffine Mensch kennt, in den Mittelpunkt rückt.
Richard Dünsers Bratschenkonzert
Musik in Zeiten des Krieges
Richard Dünser, 1959 in Bregenz geboren, zählt zu jenen Komponisten unserer Zeit, die innerhalb einer modernen Musiksprache der Melodik und Harmonik noch enorm viel wertvolle und durchaus auch schöne Substanz abgewinnen. Dünsers Werke, die bei den weltweit bedeutenden Musikverlagen Edition Peters, Universal Edition und Boosey & Hawkes erscheinen, sind mit ihrer expressiven Kraft, umfassenden kompositionstechnischen Qualität und weitgespannten inhaltlichen Fantasie in das Kontinuum der abendländischen Musik integriert. Die Musik Dünsers, der die Kompositionsklassen von Francis Burt in Wien und Hans Werner Henze in Köln absolvierte, lässt sich als eine Markierung in einer österreichischen Linie von Schubert über Mahler zu Schönberg, Berg, Webern und Cerha verorten; sein Weg führt ihn aber weit darüber hinaus zu einer Selbstbestimmtheit als Komponist, der Inspirationen aus verschiedenen Epochen der Musikhistorie empfängt, sie filtert und in seinen eigenen Werken in einer eigenständigen Sprache weiterentwickelt. Seine Werke umfassen fast alle Genres, vom Musiktheater über Orchester- bis zur Kammer und Vokalmusik, und erklingen weltweit in bedeutenden Musikinstitutionen. So erlebten bei den Bregenzer Festspielen sein Orchesterwerk „The Waste Land“ und seine Kammeroper „Radek“ ihre Uraufführungen.
Wenige Wochen nach Beginn des Ukraine-Krieges begann Dünser mit der Komposition eines Bratschenkonzerts als Gedenkmusik an die Opfer des Krieges in der Ukraine. Mit der Bratsche setzt er ein Soloinstrument mit dunklem Klang ein, in dem sich Trauer adäquat aussprechen lässt. Im ersten der vier Sätze hebt die Bratsche mit einer elegischen Kantilene an. In diese innige Melodik schneidet plötzlich und zum ersten Mal die kriegerische Gewalt der Außenwelt ein, der man schutzlos ausgeliefert ist. Im zweiten Satz variiert Dünser eine Liedthematik nach Hölderlins Gedicht „Geh unter, schöne Sonne“. Die in langen Tönen und großen Bögen „singende“ Solostimme der Bratsche ist in ein sie umgebendes Netz von empathisch antwortenden Holzbläser- und Streicherstimmen eingebunden: Man ist nicht allein in seiner Trauer und seinem Schmerz. Doch dann fällt brutal der dritte Satz ein, eine gepanzerte Musik des Krieges, die alles niederwalzt. Dennoch nimmt die Solobratsche mit ihren widerständigen Passagen einige Orchesterinstrumente in der Auflehnung mit und ist auch nach dem zweiten „Angriff“ des Kriegsorchesters noch da. In das „Lamentoso“ des vierten Satzes, in dem das Zitat eines ukrainischen Volksliedes inneren Halt zu geben vermag, bricht aber noch einmal massiv das ganze Orchester mit einem nicht enden wollenden Schreckensakkord ein. Nach seinem Erlöschen wird das Konzert von einer leisen Trauermusik beschlossen, in der die Solobratsche die tönenden Initialen „d-es-c-h“ des russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch anklingen lässt. Dünser bekennt sich damit zu dem von sowjetischen Repressalien betroffenen Humanisten Schostakowitsch und zu Millionen anderer Menschen, die unter dem russischen – und jedwedem – Totalitarismus litten und leiden.
Antonín Dvořák
Neunte Sinfonie in e-Moll, op. 95
„Aus der Neuen Welt“
Es wurde Antonín Dvořák nicht an der Wiege gesungen, dass er einmal ein Komponist von Weltgeltung werden würde. Als Sohn eines Gastwirts und Metzgers in der böhmischen Provinz erlernte er zunächst selbst das Metzgerhandwerk, konnte dann aber die Orgelschule in Prag absolvieren.
Auch in Dvořáks Leben spielte die Bratsche eine Rolle, denn er wirkte in der Bratschengruppe bei der Uraufführung der Oper „Die verkaufte Braut“ von Bedřich Smetana mit, die als die tschechische Oper schlechthin gilt. Auch unter der Stabführung von Franz Liszt und Richard Wagner spielte Dvořák im Orchester.
1873 konnte er erstmals auch als Komponist auf sich aufmerksam machen, und im selben Jahr heiratete er Anna Čermáková, die ihm über dreißig Jahre lang eine liebevolle Partnerin war und neun Kinder gebar, von denen sechs das Erwachsenenalter erreichten. 1880 machte der damals hochberühmte Johannes Brahms den Verleger Fritz Simrock auf Dvořák aufmerksam, der ihn unter Vertrag nahm. Damit konnte die bis dahin sehr bescheiden lebende Familie Dvořák materiellen Wohlstand genießen. Antonín Dvořáks Ruhm breitete sich in ganzEuropa aus und reichte schließlich bis nach New York. So bot ihm die Musikmäzenin Jeannette M. Thurber die Leitung des von ihr gegründeten National Conservatory of Music an. Von Dvořák wurde erwartet, entscheidende Impulse für die Entwicklung einer genuin amerikanischen Kunstmusik zu geben. Gerade durch die Verbindung tschechischer Folklore mit der sogenannten ernsten Musik hatte Dvořák in Europa große Anerkennung erlangt. Er nahm die Einladung an, reiste 1892 mit seiner Frau und zwei seiner Kinder nach New York und lebte drei Jahre in den Vereinigten Staaten. Die Sommer verbrachte die Familie in Spillville, Iowa, wo viele tschechische Einwanderer lebten und wohin später auch die älteren Kinder nachkamen.
In Amerika entstand Dvořáks wohl berühmtestes Werk: die Sinfonie „Aus der Neuen Welt“. Ihre Melodien wirken so volkstümlich, dass oft gefragt wurde, woher sie stammen. Dvořák selbst erklärte dazu: „Ich studierte sorgfältig eine gewisse Zahl an Melodien der Native Americans … und wurde gänzlich durchdrungen von ihrem Geist. Diesen Geist habe ich in meiner neuen Sinfonie wiederzugeben versucht, ohne die Melodien tatsächlich zu verwenden.“ Den letzten Satz erläuterte der Dirigent Nikolaus Harnoncourt später folgendermaßen: „Die im 19. Jahrhundert bei vielen Komponisten gebräuchliche Folklore hat, ganz gleich, woher sie angeblich kommt, recht ähnliche Merkmale.“
Synkopen – also rhythmische Verschiebungen der Betonung – finden sich in Dvořáks „Neunter“ besonders im ersten Satz. Dessen Hauptthema bildet einen roten Faden durch alle vier Sätze, sodass die Sinfonie dem Hörer als ein großes Ganzes begegnet.
Besonders bekannt geworden ist das Largo des zweiten Satzes mit seiner weit gespannten Melodie des Englischhorns. Dieser Melodie liegt die Pentatonik zugrunde, eine Fünftonreihe ohne Halbtonschritte. Der dritte Satz weist Anklänge an den tschechischen Tanz Sousedská auf. Das Finale beginnt mit einem kraftvollen, marschartigen Thema, verarbeitet Motive aus den vorangegangenen Sätzen und rundet so die groß angelegte Sinfonie ab. Nach seiner Rückkehr nach Prag übernahm Antonín Dvořák 1901 die Leitung des Prager Konservatoriums. Im selben Jahr wurde seine Oper Rusalka uraufgeführt – die einzige seiner zehn Opern, die bis heute fest im Repertoire geblieben ist.


