18.45 Uhr Konzerteinführung im Saal Bodensee
19.30 Uhr Großer Saal
Das gesamte Jahresprogramm 2026/2027 können Sie hier digital ansehen.
Antonio Vivaldi (1678 – 1741)
Konzert für Streicher und Basso continuo in d-Moll, RV 128
Allegro non molto – Largo – Allegro
Domenico Cimarosa (1749 – 1801)
Konzert für Oboe und Streicher in c-Moll
Introduzione – Allegro – Siciliana – Allegro giusto
Arcangelo Corelli (1653 – 1713)
Concerto grosso in g-Moll, op. 6 Nr. 8 „Fatto per la Notte di Natale“
Adagio – Allegro – Adagio (Pastorale)
Alessandro Marcello (1673 – 1747)
Konzert für Oboe und Orchester in d-Moll
Andante e spiccato – Adagio – Presto
Ottorino Respighi (1879 – 1936)
Antiche Danze ed Arie (3. Suite), P. 172
Italiana (anonymes Lautenbuch, Ende des 16. Jahrhunderts: Nr. 60 – 61)
Arie di corte (Jean-Baptiste Besard, 17. Jahrhundert)
Siciliana (anonymes Lautenbuch, Ende des 16. Jahrhunderts: Nr. 64)
Passacaglia (Ludovico Roncalli, aus der 9. Suite in: Capricci armonici
sopra la chitarra spagnola, Bergamo 1692)
Francesco Geminiani (1687 – 1762)
Concerto grosso in d-Moll, op. 5 Nr. 12 („La follia“ nach Corelli)
24 kurze Sätze
Antonio Vivaldi (1678 – 1741)
Konzert für Oboe, Streicher und Basso continuo in a-Moll, RV 461
Allegro non molto – Larghetto – Allegro
Gestaltung Bühnenbild: Bardh-I rafet Jonuzi-T
Italienisches Barock und seine Spiegelung
Barockmusik, also Musik, die etwa zwischen 1650 und 1750 entstanden ist, steht für Lebensfreude. Nach den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges sehnten sich die Menschen nach Schönheit, Freude und Sinnlichkeit. Die Architektur, die Malerei und auch die Musik nahmen diese Sehnsucht auf. Es entstand eine Kunstrichtung, die bis heute begeistert.
Im Barock erlebte die Form der Oper eine erste Hochblüte, denn gerade in ihr finden Prachtliebe und Leidenschaft ihren Raum. Die meisten Komponisten dieses Konzertprogramms schrieben vor allem Opern. Aber auch in der Instrumentalmusik zeigen sich die sogenannten Affekte, also Gefühlszustände, ausgedrückt durch bestimmte melodische Wendungen sowie die Wahl der Tonarten und Instrumente.
Der Oboe fiel daher im Barock eine herausragende Rolle zu, empfand man doch ihren Klang als der menschlichen Stimme besonders nahe. Daher war sie in besonderem Maße geeignet, starke Gefühle wie Liebe und Sehnsucht, aber auch Melancholie auszudrücken.
Ottorino Respighi, 1879 in Bologna geboren, spiegelt die Musik des Barock mit den Klangfarben des Impressionismus. Seine Ehefrau Elsa Respighi, eine Sängerin und Komponistin, machte ihren Gatten mit der Musik des Mittelalters und des Barock vertraut – eine Anregung, die er gerne aufnahm und auf besondere Weise verarbeitete. Sein Zugang ist individuell: Er hat weder mit der Neoklassik noch mit der heutigen Originalklangbewegung zu tun. Im Folgenden seien das Schaffen und die oft abenteuerlichen Lebenswege der Komponisten dieses Konzerts beschrieben. Sie alle stammen aus Italien und brachten den damals so gefragten italienischen Stil in die Länder Europas.
Antonio Vivaldi steht als sicher einer der wichtigsten Vertreter dieser Zeit am Anfang und am Ende dieses Konzertprogramms. Geboren wurde er in Venedig, wo sein Vater Geiger im Orchester des Doms San Marco war. Antonio erhielt die Priesterweihe, was damals eine Tätigkeit als Musiker keineswegs ausschloss. Nach wenigen Jahren legte er die kirchlichen Ämter unter dem Vorwand gesundheitlicher Probleme zurück und wurde Maestro di violino, bald darauf Maestro de’ concerti am Ospedale della Pietà.
Dieses Waisenhaus für Mädchen war weit über Venedig hinaus berühmt, denn die jungen Frauen dort sollen meisterhafte Musikerinnen gewesen sein. Viele seiner Instrumentalkonzerte schrieb Vivaldi für dieses Haus. Die Notendrucke dieser Konzerte verbreiteten sich europaweit und fanden sogar das Interesse Johann Sebastian Bachs. Auch mit seinen Opern war Vivaldi äußerst erfolgreich. Er selbst gab an, 94 Opern geschrieben zu haben, wobei er sicher Bearbeitungen mitzählte. 1725 erschien sein heute berühmtestes Werk, der Zyklus „Le quattro stagioni“ – „Die vier Jahreszeiten“. Zu dieser Zeit lebte er bereits mit der Sängerin Anna Girò zusammen. Aus nicht bekannten Gründen reisten beide 1740 nach Wien, wo Vivaldi ein Jahr später starb und – wie Mozart genau fünfzig Jahre später – in einem Massengrab bestattet wurde.
Domenico Cimarosa, geboren nahe Neapel, gehörte bereits der Generation nach Vivaldi an und war somit ein Zeitgenosse Mozarts. Auch er schrieb zahlreiche Opern, von denen heute noch „Il matrimonio segreto“ – „Die eimliche Ehe“ – auf den Spielplänen steht. Vier Jahre seines Lebens verbrachte Cimarosa in Sankt Petersburg, wo großes Interesse an der italienischen Oper bestand. Danach ging er nach Wien, um auf Einladung Kaiser Leopolds II. die Nachfolge Antonio Salieris als Hofmusiker anzutreten.
In der Zeit Napoleons geriet er in die Mühlen der Politik. Er wurde zum Tode verurteilt, doch auf Fürsprache prominenter Bewunderer seiner Kunst wurde das Urteil in Verbannung umgewandelt. Psychisch und körperlich geschwächt starb er 1801 in Venedig.
Das hier gespielte Oboenkonzert ist keine Originalkomposition Cimarosas. Erst im Jahr 1920 fand man ein Konvolut seiner Klaviersonaten wieder. Aus diesen stellte Arthur Benjamin 1949 das Oboenkonzert zusammen. Im Gegensatz zu den bereits beschriebenen Komponisten sind uns von Arcangelo Corelli keine Opern überliefert. Es scheint, dass er ausschließlich für Streichinstrumente komponierte. Besondere Bedeutung erlangte er mit der Gattung des Concerto grosso, eine Anregung, die von mehreren Komponisten seiner Zeit aufgegriffen wurde, etwa von seinem Schüler Francesco Geminiani, Georg Muffat oder dem jungen Georg Friedrich Händel.
Das Concerto grosso ist eng verbunden mit dem im Barock so wesentlichen konzertierenden Stil. Eine kleine Sologruppe steht einem orchestralen Kollektiv gegenüber. Corelli verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in Rom.
Alessandro Marcello stammte aus einer venezianischen Patrizierfamilie. Er widmete sich umfassenden Studien und betätigte sich nicht nur als Komponist, sondern auch als Philosoph und in seinen letzten Lebensjahren vor allem als Verfasser geistlicher Lyrik. Von seinen Kompositionen wird bis heute vor allem das Oboenkonzert in d-Moll gespielt, das bereits zu Marcellos Lebzeiten große Beachtung fand. So bearbeitete Johann Sebastian Bach das Werk zu seinem Cembalokonzert BWV 974. Ein Urheberrecht im heutigen Sinn gab es damals nicht; solche Bearbeitungen wurden vielmehr als Auszeichnung empfunden.
Ottorino Respighi war zunächst Orchestermusiker. Auf einer Gastspielreise des Sinfonieorchesters Bologna lernte er in Sankt Petersburg Nikolai Rimski-Korsakow kennen, bei dem er anschließend fünf Monate lang Unterricht in Instrumentation nahm. Der Durchbruch als Komponist gelang Respighi mit einer Aufführung seines Werks Fontane di Roma, dirigiert von niemand Geringerem als Arturo Toscanini.
Als Professor, später Direktor des Konservatoriums Santa Cecilia in Rom, lernte er Elsa Olivieri-Sangiacomo kennen, die später seine Frau wurde. Nach Respighis frühem Tod kümmerte sich Elsa Respighi um den Nachlass ihres Mannes. Sie wurde 102 Jahre alt und überlebte ihn um sechzig Jahre.
Francesco Geminiani war Schüler Arcangelo Corellis. Als Sohn eines Geigers wurde auch er selbst Geiger. Er lebte vor allem in London und Irland, starb jedoch schließlich in Lucca. Sein Concerto grosso „La follia“ ist eine Transkription einer Violinsonate Corellis, die wiederum auf einem damals sehr bekannten Lied aus Portugal beruht. „La Follia“ bedeutet etwa „Narretei“ und ist ein wilder Tanz. Die Form der Folia (Follia, Folie) wurde europaweit von zahlreichen Komponisten aufgegriffen.

